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Energie

Offshore Wind – von der Hoffnung zum Hype

Offshore-Wind galt noch bis vor Kurzem eher als Versprechen für die ferne Zukunft denn als sinnvolle Option für die kurze Frist. Jetzt könnte es an der Zeit sein, diese Einschätzung zu revidieren – und der Offshore-Windkraft einen signifikanten Beitrag zur globalen Energiezukunft zuzutrauen.

23.01.2018

Die Kosten der Offshore-Windkraft scheinen in freiem Fall: Erst Mitte 2016 endete die Ausschreibung eines 350 MW großen Offshore-Windparks 22 km vor Holland in Wassertiefen zwischen 14 und 38 Metern mit einem Angebotspreis von 72,70 €/MWh (7,2 ct/kWh), und damit weit unter dem vorab festgelegten Maximalpreis von 124 €/MWh. Im April 2017 vergab dann die Bundesnetzagentur insgesamt knapp 1,5 GW Offshore-Windenergie für durchschnittlich nur 4,40 €/MWh (0,44 ct/kWh) EEG-Förderung zusätzlich zum Marktpreis (Wassertiefe: 20-40 m) – der Großhandelsstrompreis lag 2017 in Deutschland bei durchschnittlich rund 35 €/MWh.

Kurz vor Weihnachten 2017 folgte dann die nächste Evolutionsstufe, wenn auch eher symbolisch: Die niederländische Regierung schloss die erste „Zero-Subsidy“ Ausschreibung überhaupt erfolgreich ab. Mindestens zwei Bieter (Vattenfall, Statoil) hatten sich um die Konzession für den 700 MW großen Windpark Hollandse Kust Zuid I und II in Tiefen um die 20 Meter beworben. Der soll noch im Jahr 2021 online gehen und sich ausschließlich über den Verkaufserlös am Strommarkt finanzieren.

Eine der neben der Solarenergie für die Dekarbonisierung der Stromerzeugung vielversprechendsten Technologien tritt damit in die Post-Subventions-Phase ein, und das weit früher als vermutet. Zugegeben: die Netzanschlusskosten bezahlt nicht der Windpark-Betreiber, sondern der Steuerzahler. Dabei handelt es sich jedoch um einen Teil der Infrastruktur der neuen Energiewelt. Will man nicht dauerhaft von fossilen Energieträgern abhängig sein, muss der Um- und Ausbau früher oder später ohnehin erfolgen.

Begleitet werden die spektakulär niedrigen Angebotspreise übrigens von Unkenrufen. Noch im September 2017 beispielsweise warnte Irene Rummelhoff, Executive Vice President New Energy Solutions bei Statoil, dass ruinöse Angebotspreise und Nichterfüllung der mit dem Gebot eingegangenen Verpflichtungen die ganze Branche in Misskredit bringen könnten. Nur drei Monate später beteiligte sich Statoil an der erwähnten „Zero-Subsidy“ Ausschreibung in den Niederlanden.

In der Tat wird die Zeit zeigen, ob die aktuellen Gebotspreise in Kombination mit der derzeit verfügbaren Technologie nachhaltig waren. Ein wenig erinnert die Entwicklung aber schon jetzt an diejenige der Photovoltaik, deren rapide Kostendegression für die allermeisten überraschend kam, allen voran für die Macher des EEG. Wiederholt sich die Geschichte? Gut fürs Klima wäre es in jedem Fall.

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