Im Handbuch Zukunft 2010, einer Kooperation zwischen dem FOCUS Magazin Verlag und Z_punkt, werden zentrale Zukunfts-Handlungsfelder mit hoher Dynamik skizziert. Sieben Fokusthemen geben Hinweise, worauf wir uns einstellen müssen. In loser Folge stellen wir im Z_punkt-Newsletter einige Themen inklusive eines Trends aus dem Trendglossar des Buches vor. Sechstes Thema: "Energie und Klima".
Die Umstellung unserer Energieversorgung auf eine kohlenstoffarme Basis stellt eine Jahrhundertaufgabe dar. Kohlenstoffintensive fossile Energieträger decken gegenwärtig gut 80 Prozent des globalen Energiebedarfs. Nur schrittweise ist es möglich, die Abhängigkeit von Öl, Kohle und Gas zu reduzieren. Eine Energiewende muss jedoch aus drei Gründen erreicht werden: Erstens tragen fossile Energieträger eine Hauptverantwortung für den Klimawandel. Zweitens sind sie endlich und werden nicht auf unbegrenzte Zeit verfügbar und vor allem bezahlbar bleiben. Und drittens sind die noch vorhandenen Vorräte in wenigen Regionen der Welt konzentriert - ein Faktum, das Staaten, die selbst über wenige Ressourcen verfügen, erpressbar macht.
Versorgungskrise in mittlerer Zukunft
Noch fließt das Öl aus den Zapfhähnen der Tankstellen und strömt das Gas aus den Leitungen in den Wohnungen. Mehr noch: Man kann ausrechnen, dass die gesichert vorhandenen Ressourcen nohc einige Jahrzehnte ausreichen, um eine Nachfrage auf heutigem Niveau zu befriedigen. Solche Rechnungen sind jedoch theoretischer Natur. Denn die Ressourcen müssen erst einmal erschlossen werden - und das ist teuer. Die Internationale Energieagentur nennt die Zahl von fünf Billionen US-Dollar bis 2030. Wer diese Kosten tragen wird, ist unklar. Zudem bleibt die Nachfrage nicht konstant, sondern steigt, vor allem in den Schwellenländern. Eine Versorgungskrise in mittlerer Zukunft ist deshalb wahrscheinlich.
Was sind die Alternativen?
Wahrscheinlich heißt nicht unvermeidbar. Was sind die Alternativen? Schon abgeschrieben schien die Kernenergie, die gleichwohl gegenwärtig wieder mehr Fürsprecher findet. Sie wird die Lücke nicht schließen können und bleibt die riskanteste Form der Energiegewinnung. Heiß diskutiert werden alternative Formen der Kohlennutzung, insbesondere die Kohlenstoffabscheidung, die verhindern soll, dass bei der Verstromung von Kohle Treibhausgase in großen Mengen in die Atmosphäre abgegeben werden. Allerdings sind entsprechende Verfahren erst in der Entwicklung und werden frühestens in zehn oder gar 20 Jahren zur Anwendung kommen können.
Erneuerbare Energien und mehr Energie-Effizienz
Zwei Stellschrauben bleiben. Die erste sind die erneuerbaren Energien. Diese sind prinzipiell in der Lage, ein Vielfaches des globalen Energiebedarfs zu decken. Sie sind sauber und bieten auf lange Sicht ein erhebliches Kostensenkungspotenzial - vor allem, wenn man einen zu erwartenden CO2-(Preis-)Aufschlag in die wirtschaftliche Betrachtung einbezieht. Ihre Kapazitäten lassen sich zudem sofort ausbauen. Die zweite Stellschraube ist mehr Effizienz im Verbrauch. Wenn es gelingt, denselben Nutzen mit weniger Energieeinsatz zu erzielen, wird "negative Energie" erzeugt.
Ein langer Atem
Alle Maßnahmen, die im Kampf gegen den Klimawandel mehr sein wollen als ein Tropfen auf den heißen Stein, erfordern erhebliche Investitionen, einen langen Atem und insbesondere eine klare politische Linie auf der Basis supranationaler Vereinbarungen, die für Unternehmen Investitionssicherheit schafft. Die Aufgabe ist so groß, dass viele Menschen der Meinung sind: Erst wenn der Klimawandel in soziale Verwerfungen und kriegerische Konflikte mündet, besteht eine Chance zu einem radikalen Umsteuern.
Trend 095: Ressourcenkonflikte
Quelle: Eurostat 2008, *alle Mitgliedsstaaten der EU
Die natürlichen Ressourcen der Erde - Wasser, Böden sowie mineralische und nachwachsende Rohstoffe - bilden in allen Gesellschaften die Grundlage des Wachstums. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Wasserknappheit und der schwindenden fossilen Bodenschätze erhöht sich die Gefahr von Ressourcenkonflikten. Als Treiber wirkt dabei auch der Klimawandel, der ökologische Probleme vor allem in den armen Ländern erheblich verschärft. Je mehr Menschen in die reichen Länder flüchten, den Hauptverursachern des Klimawandels, desto größer wird auch dort die Wahrscheinlichkeit von Ressourcenkonflikten. Diese ergeben sich zudem daraus, dass die verbleibenden fossilen Energiequellen zu großen Teilen in der sogenannten strategischen Ellipse von Nordrussland bis zum Persischen Golf konzentriert sind. Die politische Instablität dieser Region stellt ein großes Risiko für die Sicherheit der in erheblichem Maße von Importen abhängigen europäischen Energieversorgung dar.
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