Im Handbuch Zukunft 2010, einer Kooperation zwischen dem FOCUS Magazin Verlag und Z_punkt, werden zentrale Zukunfts-Handlungsfelder mit hoher Dynamik skizziert. Sieben Fokusthemen geben Hinweise, worauf wir uns einstellen müssen. In loser Folge stellen wir im Z_punkt-Newsletter einige Themen inklusive eines Trends aus dem Trendglossar des Buches vor. Sechstes Thema: "Mobilität und Verkehr".
Das 20. Jahrhundert war geprägt vom Siegeszug des Automobils. Mit einem Gewicht von etwa einer Tonne ist es ein stählener Koloss; es ist meist für fünf Personen ausgelegt, aber nur selten voll besetzt; die zum Antrieb genutzte Energie verwendet es mit einem niedrigen Wirkungsgrad und ist dafür umso emissionsfreudiger. Es wirkt wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit und beherrscht doch unsere Kultur, ist Gegenstand von Zuneigung und Hingabe seiner Besitzer. Doch wie lange kann diese Liaison noch gutgehen? Dass eine Ausweitung westlicher Mobilitätsmuster auf die gesamte Welt katastrophale Konsequenzen hätte, ist eine Binsenweisheit.Das Automobil wird stetig sauberer und energiesparender werden müssen – alle technischen Parameter stehen auf dem Prüfstand, wenn Emissionen und die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen reduziert werden sollen.
Mobilität der Zukunft aus einer systematischen Perspektive
Allerdings greift eine rein technische Betrachtung zu kurz. Der Übergang zu einer postfossilen Mobilität erfordert auch soziale, politische und organisatorische Innovationen. Lassen sich neue Nutzungsmuster etablieren, um die Städte vom Verkehr zu entlasten und gleichzeitig einer umweltfreundlichen Individualmobilität den Weg bahnen? Wie können die unterschiedlichen Verkehrsträger besser verzahnt werden? Wie können Verkehrsströme generell intelligenter organisiert werden? Und sind nicht neue Ansätze in der Stadtplanung gefragt, um unseren Mobilitätsbedarf zu verringern? Die Fragen zeigen, dass die Mobilität der Zukunft aus einer systematischen Perspektive betrachtet werden muss.
Glück des Ankommens
Auch kulturelle Faktoren spielen hier eine Rolle. Die emotionale Bindung an das Automobil und der spezifisch deutsche Glaube, „freie Fahrt“ sei ein Menschenrecht für „für freie Bürger“, lassen sich nicht einfach per Dekret abschaffen. Und doch ist zu fragen, ob nicht auch gesellschaftliche Leitbilder veränderbar sind. Geht es künftig vielleicht weniger um die Freude am Fahren als vielmehr um das Glück des Ankommens? In Japan, berichtet eine Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little, verliere das Auto in bestimmten Zielgruppen seine Rolle als Statussymbol und wichtigstes Konsumgut – Smartphone, Netbook & Co laufen ihm den Rang ab.
Ein Umsteuern ist nötig
Die Überlegungen lassen sich auf andere Bereiche der Mobilität übertragen. Aus den Emissionszielen des Kyoto-Protokolls von 1997 wurden Flug- und Schiffsverkehr kurzerhand ausgenommen. Doch 98 Prozent des globalen Warenverkehrs werden mit Schiffen abgewickelt, und der Flugverkehr verzeichnete in der jüngsten Vergangenheit die höchsten Zuwachsraten. Setzt sich das Wachstum ungebremst fort, werden Flugzeuge in Deutschland binnen wenigen Jahren für mehr CO2-Emissionen verantwortlich sein als Autos. Auch hier ist also ein Umsteuern nötig. Um nur ein Beispiel zu nennen: In der Schifffahrt ließen sich Berechnungen der Uni Oldenburg zufolge durch die Nutzung von neuartigen Großsegeln jährlich 150 Millionen Tonnen CO2-Emissionen einsparen. Und sind nicht konsequenterweise auch an den Luftverkehr von morgen dieselben Anforderungen zu stellen wie an die Individualmobilität auf der Straße – Sicherheit, sparsamer Verbrauch, regenerativer Antrieb und Schadstoffarmut?
Trend 088: Neue Mobilitätsdienstleistungen
Quelle: Eurostat (2007)
Wenn es sich bei einem großen Teil der im Stadtverkehr genutzten Fahrzeuge um Mietwagen handeln würde, wären die Parkplatzprobleme gelindert und der Verkehr reduziert. Die Mietfahrzeuge würden zudem intensiver genutzt, als dies bei Privat-Pkws heute der Fall ist. Da Elektroautos schon jetzt für den Einsatz im Stadtverkehr geeignet sind, ließen sich auf diesem Weg kurzfristig Schadstoffemissionen verringern. Und langfristig könnte der Strom, mit dem die Leihautos betrieben werden, vollständig aus regenerativen Energien erzeugt werden. Mobilitätsdienstleistungen stellen einen wichtigen Baustein in einem künftigen nachhaltigen Mobilitätssystem dar. Vor allem in Ballungsräumen sind sie Erfolg versprechend und werden bereits in ersten Pilotprojekten erprobt. Ein wichtiger Faktor bei der Umsetzung ist der Service-Komfort: Die Leih-Pkws müssen überall verfügbar und leicht zugänglich sein, sonst überwiegen aus Kundensicht die Nachteile gegenüber einem Privatfahrzeug.
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