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23.11.2015

Arbeiten und Leben im Jahr 2025

Der Vollzeitjob fürs Leben ist ein Auslaufmodell und dank Digitalisierung sind Berufstätige jederzeit überall und in wechselnden Teams einsatzfähig. Flexibel, vernetzt, vielfältig – so sieht eine Expertenkommission der Bertelsmann Stiftung die Arbeitswelt der Zukunft.

Größere persönliche Verantwortung wird in den größeren Kontext der gesellschaftlichen Solidarität eingebunden bleiben.Cornelius Patscha, Foresight Consultant

Arbeiten und Leben im Jahr 2025: Expertenbericht von Bertelsmann Stiftung und Z_punkt veröffentlicht.

Ob die sich abzeichnenden Trends eine Chance für innovative, inspirierende Arbeits- und Lebensformen in Deutschland bieten oder das Risiko sozialer Spaltung und einer überforderten Gesellschaft in sich bergen, hängt von den Weichenstellungen ab, die heute gesetzt werden.

Z_punkt, das Kölner Beratungsunternehmen für strategische Zukunftsfragen, hat die Kommission während der rund zweijährigen Zusammenarbeit zum Thema „Arbeits- und Lebensperspektiven in Deutschland“ inhaltlich und methodisch begleitet. Der kürzlich veröffentlichte Ergebnisbericht skizziert unter dem Titel „Pfade der Veränderung“ Wege in die Zukunft bis 2025, die auf die Chancen des Wandels und die selbstbestimmte Teilhabe möglichst aller Menschen fokussieren.

Die drei Pfade der Veränderung will die Expertenkommission als Handlungsfelder verstanden wissen, an deren Gestaltung wir heute bereits mitwirken. Ein Überblick:

Das Arbeitsleben in alle Richtungen flexibler gestalten

Immer mehr Menschen haben komplexe Erwerbsbiografien. Flexibilisierungsanforderungen nehmen zu, sowohl von Seiten der Unternehmen als auch der Erwerbstätigen. Doch viele Strukturen, von Sozialversicherung bis Rente, sind weiterhin auf ein lineares Normalarbeitsverhältnis und ununterbrochene sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zugeschnitten. Und eine zeitlich und örtlich hochflexible Berufstätigkeit ist derzeit nur schwer mit Familie oder Freundeskreis zu vereinbaren.

Mehr Flexibilität ist die Antwort. Neue Arbeitszeitmodelle, Teilzeit, Jobsharing, Umstellung des Rentensystems sind nur einige der Stichworte, die beschreiben, wie unsere Gesellschaft das Arbeitsleben in alle Richtungen flexibler gestalten kann. „Wir benötigen eine auf einzelne Lebensphasen orientierte Betrachtung, die jede Form von Arbeit und Engagement mit einbezieht – unabhängig von der individuellen Erwerbsperspektive“, fasst Detlef Hollmann, Senior Project Manager bei der Bertelsmann Stiftung, zusammen.

Die solidarische Gesellschaft konsequent weiter entwickeln

Die Sozialversicherungssysteme geraten an ihre Grenzen, der Generationenvertrag funktioniert angesichts der demografischen Entwicklung nicht mehr wie gewohnt, das geteilte Krankenversicherungssystem führt zu Ungerechtigkeiten und das Modell der Arbeitslosenversicherung ist nicht auf die sich ändernden Erwerbsbiografien eingestellt. Kleine Änderungen werden nicht reichen.

Die Kommission plädiert für neue Formen der Daseinsvorsorge, die beides beinhalten: mehr individuelle Vorsorge, aber auch Modelle im Sinne genossenschaftlicher Solidarität. Selbstorganisierte Unterstützungsnetzwerke, wie etwa Seniorengenossenschaften, können durch kreative Lösungen einen Teil der erwarteten Versorgungslücke im Alter auffangen. „Größere persönliche Verantwortung wird notwendig sein, um Gestaltungsräume zu nutzen. Sie muss jedoch in den größeren Kontext der gesellschaftlichen Solidarität eingebunden bleiben – insbesondere dort, wo die Lücke zwischen individuellen Fähigkeiten und den Anforderungen der Arbeitswelt zu stark auseinander klafft“, sagt Cornelius Patscha, Foresight Consultant bei Z_punkt und Mitautor des Reports.

Bildung als Befähigung zum Wissens- und Kompetenzerwerb begreifen  

In Zukunft verändern sich Tätigkeitsfelder noch schneller als heute, neue Berufsbilder entstehen, andere verschwinden. Die Kommission zieht in ihrem Report daraus den Schluss: „Menschen müssen viel stärker befähigt werden, Wissen außerhalb von Bildungsinstitutionen eigenständig zu erwerben, es zu reflektieren und auch anzuwenden.” Schule und spätere Ausbildung sollte die Menschen befähigen, eigenständig Wissen zu erwerben. Bildungseinrichtungen sollten Persönlichkeitsbildung, Eigenverantwortung, unternehmerisches Denken und Innovationskraft fördern.