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Energie & Ressourcen

Wasser aus dem Nichts für die Ärmsten der Welt

Wasser sei das neue Erdöl, prophezeite Goldman Sachs schon im Jahr 2008. Angesichts der Ölpreisentwicklung wäre ein neues Öl auch dringend nötig. Ironie des Schicksals für die Investmentbanker: Noch bevor Wasser zu Öl und damit im großen Stil zu Geld gemacht werden kann, könnten Erneuerbare Energien den erhofften Renditebrunnen in eine ausgetrocknete Pfütze verwandeln.

14.12.2016

Ende Oktober wurde bekannt, dass ein Startup namens Zero Mass Water seit einiger Zeit Anlagen testet, die Wasser wörtlich aus dem Nichts generieren. Die Testanlagen stehen in Ländern, in denen teils extremer Wassermangel herrscht, wie zum Beispiel Jordanien, Mexico oder Ecuador. Das System funktioniert dabei relativ simpel: Kern der Anlage namens “Source” ist ein spezielles Material, das der Luft die in ihr gebundene Feuchtigkeit entzieht. Das Prinzip entspricht in etwa dem Reiskorn im Salzstreuer, wobei das Salz für die Luft und das Reiskorn für das feuchtigkeitsbindende Material steht, das in Source zur Anwendung kommt. Dieses Material wird mit einem PV-Modul kombiniert, das die notwendige Energie liefert, um das Wasser letztendlich wieder als Flüssigkeit zu extrahieren und an einem simplen Wasserhahn auf der Rückseite der Anlage zur Verfügung zu stellen. Pro Tag entstehen so je Modul fünf Liter Trinkwasser. 

Nun ist das Prinzip an sich nichts Neues: Schon 2008 hatte ein israelisches Startup ein entsprechendes Konzept zur Marktreife gebracht. Diesem fehlen jedoch die PV-Module - es ist daher auf einen Stromanschluss angewiesen. Nun gut, könnte man einwenden, dann kombiniert man eben ein PV-Modul mit einer Wassergewinnungsanlage, die einen Stromanschluss benötigt. Das mag sein, verkennt jedoch den eigentlichen Vorteil von Source: Durch die Kombination des Geräts mit seiner Energiequelle entsteht eine Stand Alone-Lösung, die selbst von technischen Laien oder Analphabeten installiert werden kann. Source verlangt also noch nicht einmal Plug’n’Play - sondern einfach nur Play. Es kann an nahezu jedem Ort der Welt Trinkwasser produzieren, ohne dass dafür zu irgendeinem Zeitpunkt ein Techniker benötigt würde. Sofern die Zuverlässigkeit stimmt, handelt es sich dabei also um eine geradezu ideale Lösung für die Ärmsten der Welt — noch immer haben 10% der Weltbevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Ähnlich wie Zink-Luft-Batterien haben Konzepte wie Source also das Potential, das Leapfrogging der Entwicklungsländer hin zu einer vollkommen dezentralen Stromversorgung zu beschleunigen. Und vielleicht noch mehr: Auch in vielen Gegenden in Schwellenländern und selbst Industrieländern ist die Stromversorgung unzuverlässig. Ein Gerät, das seine eigene Energie erzeugt, ist dort die wohl bequemste Lösung: Aufstellen und vergessen.

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