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Finanzen

Transaktionen in Echtzeit mit Instant Payment

Was an den Kapital- und Aktienmärkten längst weitgehend Standard ist, soll nun auch bei Überweisungen von Privatkunden möglich werden: Transaktionen in Echtzeit.

14.12.2016

Das Schlagwort heißt „SEPA Instant Payment“. Schon seit etwa zwei Jahren bereitet die Europäische Zentralbank (EZB) die neue multikanalfähige Zahlungsverkehrslösung in enger Abstimmung mit großen europäischen Banken vor. Ab November 2017 soll das neue, schnelle Verfahren zur Zahlungsabwicklung europaweit verfügbar sein.

Instant Payment soll mittels einer Zwei-Faktor-Authentifizierung funktionieren: Beispielsweise wird über eine App der Hausbank, in der alle relevanten Nutzerdaten hinterlegt sind, die Zahlung an der Kasse abgewickelt und vor Ort autorisiert, etwa durch einen Fingerabdruck oder einen PIN. Kein Wunder, dass dieses Thema besonders in Deutschland die Daten- und Verbraucherschützer auf den Plan ruft. Aber auch Vertreter des Einzelhandels und teilweise auch der Banken sehen die Neuerung skeptisch, da bestehende Zahlungssysteme kostenintensiv ausgetauscht und erneuert werden müssten. Am Ende entstünde aber eine paneuropäische Infrastruktur für Transaktionen, die allen Banken und Finanzdienstleistern zur Verfügung steht – ein wichtiger Baustein in der digitalen Agenda der EU.

Aller Kritik zum Trotz könnte die neue Lösung jedoch Überweisungen und die Art des Bezahlens in Europa revolutionieren und dynamisieren. Die Zahlungsmechanismen der Banken wirken in einer digitalen Infrastruktur, in der sich Echtzeit-on-Demand-Kundenbedürfnisse herausgebildet haben, wie aus einer anderen Zeit. Mit Instant Payment soll es dagegen nur zehn Sekunden dauern, bis das Geld auf dem Konto des Empfängers ist – und das 24 Stunden, 365 Tage im Jahr. 

Die Einführung von Instant Payment hätte mehrere zukunftsrelevante Implikationen: Erstens soll nach der Einführung des SEPA-Verfahrens, so zumindest die Hoffnung der EZB, mit Instant Payment nun der europäische Zahlungsverkehr weiter vereinheitlicht werden und zunehmend auch Schecks und Bargeld, aber auch Überweisungen ablösen – also bargeldloses Bezahlen insgesamt attraktiver machen. Es wäre also ein weiterer Schritt zur bargeldlosen Gesellschaft, die unter liberalen Gesichtspunkten immer wieder als Baustein eines Überwachungssystems heftig kritisiert wird. 

Zweitens hat Instant Payment durchaus disruptives Potential: Mit seiner Einführung träte die Bezahlmethode in direkte Konkurrenz zu Paypal im Online-Handel und auch zu einigen Fintechs bei Online-Überweisungen. Für die etablierten Banken also durchaus ein willkommener Effekt, um die aufmüpfigen Angreifer in Schach zu halten. Allerdings soll die neue Infrastruktur nach dem Willen der EZB auch den Fintechs offen stehen. Zudem könnte sie auch eine Alternative zur Blockchain werden, die von Banken bereits für einzelne Zahlungen genutzt wird, aber noch nicht massenkompatibel erscheint. Auch könnten die in den letzten Jahren in Ermangelung einer Echtzeit-Alternative entstanden „Verlegenheitslösungen“ wie Zahlungsgarantien, Bonitätsprüfung oder schwarze Listen relativ schnell im Markt an Bedeutung verlieren. Darüber hinaus könnten so viele Banken gezwungen sein, ihren oftmals veralteten IT-Systemen ein Update zu gönnen — und gleichzeitig von einer besseren Kundenbindung profitieren. 

Zum Vergleich lohnt ein Blick nach Großbritannien, wo vor sieben Jahren "Faster Payment" eingeführt wurde, eine etwas langsamere Version von Instant Payment. Inzwischen wird damit schon jede fünfte Zahlung im Vereinigten Königreich durchgeführt. Jedoch gibt es in Europa große regionale Unterschiede, was den Umgang mit digitalen Bezahlmethoden und Bargeld angeht. Gerade in den nordeuropäischen Ländern könnte die Einführung von Instant Payment auf große Akzeptanz stoßen, da dort Bargeld ohnehin keine große Rolle im Zahlungsverkehr spielt und die Gesellschaften offener für mobile Bezahlmethoden sind. 

Ob sich die neue Zahlungslösung aber letztendlich durchsetzt, entscheidet sich im stationären Handel – dort wird sich beim Kundenerlebnis zeigen, ob sie einen echten Mehrwert bietet. Einigen Experten zufolge hat Instant Payment durchaus das Potential, zur Killer-Applikation für das mobile Bezahlen zu werden. Um den Handel zu überzeugen, sollte die neue Bezahlmethode günstiger sein als beispielsweise Kreditkarten. Die Einzelhändler könnten dann auch die Gebühren für Zwischenhändler einsparen und zudem direkt über das Geld verfügen. Auch hier zeigt sich wie bei der Blockchain ein grundsätzlicher Trend in der Finanzwelt: Intermediäre verlieren zunehmend an Bedeutung.

Erfahren Sie mehr über die Zukunft des Bezahlens in der SRC-Studie Bezahlen 2025: Szenarien zur Zukunft der Zahlungssysteme in Deutschland, die Z_punkt fachlich-methodisch betreut hat.

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Sprechen Sie mit Christian Grünwald, wenn Sie mehr über die Zukunft des Zahlungsverkehrs erfahren wollen.

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