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Mobilität

Sind Taxiflotten die Zukunft des ländlichen Nahverkehrs?

Das Dilemma, dass die Rentabilität des Nahverkehrs von der jeweiligen Einwohnerdichte abhängt, verhinderte bisher wirklich attraktive Bus- und Bahnlösungen in ländlichen und zersiedelten Gebieten. Zu gering die Fahrgastzahlen, zu kostenintensiv die Infrastrukturinvestitionen. Entsprechend ist man aufs eigene Auto angewiesen – oder aufs Taxi.

16.09.2016

In manchen entvölkerten Landstrichen in den neuen Bundesländern werden seit einiger Zeit schon die Schüler mit dem Taxi in die Schule gefahren, weil sich der Schulbus nicht mehr lohnt. Und in zersiedelten Städten, wie sie in den USA typisch sind – fehlende Fußgängerzonen und Innenstädte, gesichtslose Malls, sich endlos ausdehnende Vororte – sind Bürgermeister schon lange auf der Suche nach bezahlbaren, attraktiven Lösungen, um einen funktionierenden Nahverkehr aufzubauen. 

Bildquelle: The Verge


Um die Stadt Altamonte in Florida herum hat eine Gruppe Bürgermeister nun begonnen, den Fahrdienst Uber zu subventionieren; und zwar für Fahrten von und zum (Bus-)Bahnhof, als Überbrückung der „First-/Last-Mile“. Seit diesem Sommer können Einwohner, die kein Auto besitzen oder benutzen wollen – ein Fahrrad kommt aufgrund mangelnder Infrastruktur und zu weiter Entfernungen oft auch nicht in Frage – ein städtisch subventioniertes Uber-Fahrzeug ordern und sich zum Bahnhof fahren lassen. Eine Fahrt kostet je nach Strecke rund 50% mehr als ein Busticket – aber die Flexibilität ist ungleich höher, abgesehen davon, dass für die meisten Gebiete gar keine Busanbindungen existieren. Das Programm ist zwar noch ein Pilotprojekt, und viele Uber-Fahrtanbieter wissen nicht einmal, dass ihre Fahrt gerade von der Stadt subventioniert wird. Die Fahrgastzahlen für die Regionalbahn und -busse sind aber seither leicht gestiegen. Nach den Erfolgen von Florida haben inzwischen auch Verkehrsplaner größerer Städte wie San Francisco, Atlanta oder Dallas Interesse angemeldet.

Uber-Chef Kalanick verspricht jetzt schon, dass seine Fahrdienste in Zukunft günstiger sein werden als herkömmliche Bus- und Bahnsysteme, insbesondere wenn es gelingen sollte, Fahrten möglichst eng aneinander zu knüpfen – und erst recht, wenn selbstfahrende Autos die Arbeit übernehmen (vgl. Ubers Selbstfahr-Flotte in Pittsburgh). Ihre Flexibilität und Unabhängigkeit von Schienen und Haltestellen ist ein entscheidender Vorteil – und mit ein Grund, dass Uber auch in Städten ohne derartige Subventionsprogramme für viele die beste First-/Last-Mile-Option ist. 

In Gebieten, wo sich auf absehbare Zeit ein regulärer Nahverkehr weder finanziell noch ökologisch lohnt, können Uber-ähnliche Fahrdienste eine vielversprechende Alternative sein. Voraussetzung ist, dass die Zahl der Leerfahrten minimiert wird – genauso wie es ineffizient ist Busse und Bahnen halbleer fahren zu lassen – indem durch intelligente Software Fahrten möglichst eng aneinander gereiht werden und Routen optimiert werden. Auch müssen derzeitige Lücken und Tücken – Verkehrsteilnehmer ohne Kreditkarte oder ohne Smartphone können das neue Angebot noch nicht nutzen, und herkömmliche Pkw stellen keine Option für gehbehinderte Menschen dar – schnell behoben werden, damit das Projekt seinen Beta-Status überlebt. Wenn die Fahrzeuge dann noch mit emissionsfreien Antrieben laufen, ist ein wichtiger Schritt für einen zukunftsfähigen Verkehr getan.

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