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Finanzen

Mit kontrolliertem Affekt investieren

Falsche Intuition kann Aktienhändler sprichwörtlich ein Vermögen kosten. Auch dann, wenn sie noch so sehr davon überzeugt sind, eine durchdachte Entscheidung getroffen zu haben. Brian Uzzi, Professor an der Kellogg School of Management der Northwestern University in Evanston, will das ändern.

06.03.2017

Uzzi hat ein System entwickelt, das die Händler über ihre emotionalen Zustände informiert, indem es ihre E-Mails und Instant Messages in Echtzeit analysiert – und ihnen dann den richtigen Moment nennt, um ökonomische Entscheidungen zu treffen. 

Professor Uzzi untersucht seit Jahren, wie Emotionen von Aktienhändlern und deren Erfolg an der Börse zusammenhängen. Über einen Zeitraum von zwei Jahren analysierten Uzzi und sein Team über 1,2 Millionen Instant Messages von Daytradern – und stellten dabei fest, dass Händler, die sehr oder zu wenig emotional waren, relativ schlechte Geschäfte machten. Schließlich prägen Emotionen unsere Musterbildung, also die Art, wie wir Fakten und Gegebenheiten interpretieren und einordnen. Sie beeinflussen aber auch unsere Fähigkeit, Risiken einzugehen, sobald wir eine Entscheidung auf einer vernunftbasierten Grundlage treffen möchten. 

Brian Uzzi ist davon überzeugt: Die besten Geschäfte kommen dann zustande, wenn sich der Grad der emotionalen Aktivierung auf einem mittleren Niveau befindet. Dann sind Anleger bei ziemlich klarem Verstand, können aber auch angemessen auf Risiken reagieren. Für seine Bewertungen misst der Algorithmus mit Hilfe eines Wörterbuchs das emotionale Grundrauschen in den Nachrichten der Makler. Beispiele für Worte, die außerhalb des Bereichs „gesunder Emotionalität“ stehen, sind etwa „Schaden”, „zerschlagen“ und „treten”, aber auch weniger auffällige Begriffe wie „Nachrichten” oder „Gold”.

Der Algorithmus von Brian Uzzi ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch in der Finanzwirtschaft die Mensch-Maschine-Kollaboration weiter auf dem Vormarsch ist – und inzwischen weit über den computergestützten Hochfrequenzhandel hinausgeht. Diese „Zusammenarbeit“ könnte in Zukunft zu besseren Ergebnissen der einzelnen Händler führen und die Trader zugleich davor schützen, ungewollte Risiken unter Stress einzugehen. Beim Schach zeigte sich, dass Schachcomputer nicht nur die menschlichen Spieler auf ein neues Niveau heben, sondern dass Computer und professioneller Schachspieler im Team die besten Ergebnisse erzielen. Zugleich ergibt sich aus dem Vordringen von Algorithmen und künstlicher Intelligenz in die Finanzwirtschaft auch neues disruptives Potential, welches das Entstehen neuer Business-Ökosysteme und Geschäftsmodelle begünstigen dürfte. 

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