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Standpunkt

KI und Nachhaltigkeit: Ein neues strategisches Handlungsfeld

In der globalen Debatte über die gesellschaftlichen Risiken und wirtschaftlichen Potenziale von Künstlicher Intelligenz zeichnen sich zwei komplementäre Diskursstränge ab, die um konkrete Lösungsansätze eines „nachhaltigen“ Einsatzes der KI ringen. Beide Themenkomplexe sind für alle Unternehmen relevant, die eine langfristige AI-Strategie entwickeln wollen. Sie werden jedoch in der Praxis meist nicht hinreichend differenziert betrachtet. Ein Klärungsversuch.

26.04.2019

Responsible AI – Nach welchen Regeln sollen KI-Anwendungen zukünftig entwickelt werden?

In dem derzeit mit wachsender Intensität geführtem Diskurs zur Zukunft einer „Responsible AI“ oder „Trustworthy AI“ steht die komplexe Frage im Vordergrund, nach welchen Prinzipien Staaten, Behörden oder Unternehmen KI-Systeme verantwortungsvoll entwickeln und einsetzen sollen, um sowohl ihre wirtschaftlichen Potenziale im globalen Wettbewerb nachhaltig zu entfalten, ohne aber negative Auswirkungen auf die Gesellschaften und ihre Bürger zu riskieren? Im Kern geht es also um das „Wie“ der KI-Zukunft, um ethische Grundsätze, regulatorische Rahmenbedingungen, um die Gewährleistung von Fairness, die Vermeidung von programmierten Vorurteilen oder die Sicherung individueller Freiheit und den Schutz von Persönlichkeitsrechten. 

Es zeigt sich deutlich, dass wir die Debatte über Werte, Prinzipien und Regularien für die KI von morgen nicht vom Blick auf die globale Wettbewerbssituation trennen können: Sollen sich Europa und die europäischen Unternehmen als Vorreiter für einen verantwortlichen Einsatz der KI stark machen – sei es als Selbstverpflichtung oder verbindlichen gesetzlichen Rahmen? Stärkt oder schwächt dies langfristig Europa im bereits heute schon schwierigen KI-Wettbewerb mit China und den USA? 

Die Herausforderungen sind erkannt. Nun sucht Europa nach einer Haltung und Position. Die von der Europäischen Kommission eingesetzte High-Level Expert Group on Artificial Intelligence hat nun erste Empfehlungen für Europas Strategie auf dem Weg zur „Trustworthy AI“ vorgelegt. Dabei suchen die Experten nach einem dritten Weg für Europa – quasi einer sozialen KI-Wirtschaft, die Wohlstand vorantreibt, ohne ethische Fragen außeracht zu lassen. Ähnliche Initiativen lassen sich weltweit von Singapur über Australien bis zu den Vereinigten Arabischen Emiraten beobachten. 

Auch große Unternehmen positionieren sich mit der Veröffentlichung von AI-Grundsätzen. Konsens scheint bei allen Akteuren zu sein, dass KI verbindliche Regeln braucht, eine Überreglementierung beim Thema aber niemanden nutzt, wenn man sich die Dynamik anschaut, mit der China und die USA die KI-Entwicklungtreiben. Die Gefahr ist groß, weiter ins technologische und wirtschaftliche Hintertreffen zu geraten. Unternehmen, die heute massiv in KI-Lösungen investieren, tun vor diesem Hintergrund gut daran, sich frühzeitig und vorausschauend mit den Konsequenzen einer möglichen Regulierung der KI auseinander zu setzen.

AI for Good - Kann künstliche Intelligenz die Welt nachhaltiger machen?

Der zweite globale Diskurs dreht sich um das „Was“ der künstlichen Intelligenz, um die Suche nach den „guten“ KI-Anwendungen, die die Auswirkungen des Klimawandels abmildern oder die Herausforderungen einer rasant wachsenden Weltbevölkerung lösen. Von der UN-Initiative „AI for Good“ über das World Economic Forum und der AI XPrize Competition bis hin zu wichtigen AI-Playern wie Google, Microsoft oder Siemens zeigen sich schon heute viele Akteure und Projekte, die Antworten suchen, ob der Einsatz von KI den nötigen Systemsprung auslösen kann, den wir auf dem Weg zu nachhaltigen Leben und Wirtschaften.

Als Bezugspunkt dienen dabei zumeist die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, in denen die Weltgemeinschaft ihre Ziele für eine nachhaltige Entwicklung konkretisiert hat. Die Liste der „Sustainable AI Use Cases“ wächst, von KI-optimierten Windparks bis zur automatisierten Auswertung von Satellitenbildern zur besseren Steuerung der Hilfsmaßnahmen in Krisenregionen. Interessant ist auch das Earth Lab – eine Kooperation, die zahlreiche Fraunhofer-Institute, Technische Universitäten, die GIZ, mit Microsoft, Unternehmen und NGOs verbindet, um KI-Anwendungsszenarien zum Schutz der Erde zu entwickeln. Am Ende müssen aus den spannenden Projekten aber auch funktionierende „Sustainable AI Business Cases“ werden. Die Potenziale dafür sind vorhanden. Die Zeit für neue Denkansätze ist reif. 

Unternehmen müssen eine eigene Haltung finden

Viele Unternehmen setzten sich bereits heute intensiv auf strategischer Ebene mit ihrem Beitrag zu den Sustainable Development Goals und der Transformation zum „Responsible Business“ auseinander. Auch die konkreten Potenziale der Künstlichen Intelligenz werden bereits mit hoher Priorität ausgelotet. An den Schnittstellen von KI-Strategie, Business Development und Corporate Sustainability warten die nächsten Zukunftsthemen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Ohne diese Antworten werden sich die technischen Potenziale der Künstlichen Intelligenz aber nicht in einen nachhaltigen Geschäftserfolg überführen lassen.

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