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Science-Fiction-Kolumne

Kaufentscheidungen im Jahr 2051

„Man könnte mich als One-Hit-Wonder der modernen Erlebnisökonomie bezeichnen“, vertraut Kai Janneks Alter Ego seinem Tagebuch am 5.2.2051 an. Er hatte zuvor festgestellt, dass seine im Netz geteilten Erinnerungen – per Brainchip downloadbar – bis auf eine Kambodscha-Reise niemanden interessieren. Zudem muss er sich mit Verwarnungen des Ministeriums für Fortschritt und Wohlstand herumschlagen, das in seine Kaufentscheidungen eingreifen darf. Viel Spaß beim neuen „Gedankenspiel“ aus dem Magazin agora42.

13.11.2015

Guten Abend, liebes Tagebuch,

den halben Tag habe ich heute mit Recherche verbracht. Ich hatte ja erst gestern schmerzlich erfahren, dass der Chiphersteller Qualcomm alle Rechte an meinen Ideen, Gedanken und Erinnerungen erworben hatte, als mir ein Brainchip der Firma implantiert wurde. Ich wollte nun herausfinden, welche meiner Ideen patentiert wurden und welche meiner Erinnerungen in der Cloud kursieren und für jedermann als Pseudoerinnerung herunterzuladen sind. Händisch habe ich mich durch alle Suchmaschinen gearbeitet. Zusätzlich habe ich noch jede Menge Suchagenten eingeschaltet. Das Ergebnis war ernüchternd. Null Patente. Zero. Líng. Mein Nutzen für die Weltgemeinschaft ist wohl eher begrenzt.

Bei den Erinnerungen sah es nicht viel besser aus. Drei Erinnerungen von mir kursieren im Netz. Die Kambodscha-Tour aus dem letzten Jahr mit rund zehntausend Downloads, der Ausflug zum Mount Everest im Oktober mit fünfzehn Downloads und eine sexuelle Episode mit Kim von vor zwei Jahren mit null Downloads. Man könnte mich als One-Hit-Wonder der modernen Erlebnisökonomie bezeichnen. Ich weiß auch nicht, was ich schlimmer finden soll: dass eine sexuelle Erfahrung von mir für jedermann als Pseudoerinnerung zugänglich ist oder dass sich niemand für dieses Erlebnis interessiert.



Auch der Nutzen des Brainchips ist zweifelhaft. Das fotografische Gedächtnis ist eine nette Spielerei. Allerdings ist die Erinnerungs- dichte manchmal schon eine Herausforderung. Ich vermute, ich brauche demnächst einen größeren Speicher und einen besseren Algorithmus zur Verwaltung der vielen Bilder. Das supermathematische Verständnis ist dagegen ganz praktisch. Bei komplexen Fragestellungen kann ich die richtige Antwort regelrecht fühlen. Das hilft mir allerdings nicht dabei, mein eigenes Präferenzprofil genau zu erfassen. Ich habe gerade wieder eine Verwarnung vom Ministerium für Fortschritt und Wohlstand erhalten, weil ich nicht entsprechend meiner Präferenzen gehandelt hatte. Der Vorfall liegt schon drei Tage zurück. ...

Wie es weiter geht, können Sie im Blog des agora42 Magazins nachlesen. Die aktuelle Ausgabe ist erschienen zum Thema "Nutzen".

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