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Mobilität

Staatlich verordnete Elektromobilität als Erfolgsrezept?

Die Nachfrage nach Elektroautos kommt nicht so recht in Schwung. Steuerliche Vergünstigungen oder kostenfreies Parken sollen Kunden den Umstieg vom Verbrenner auf den Elektromotor schmackhaft machen. Einige Länder denken sogar darüber nach, den Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor komplett zu verbieten.

16.09.2016

Norwegen und die Niederlande. Auf den ersten Blick haben beide Länder nur wenig gemeinsam. Doch beide eint eine Besonderheit. In den Schubladen der Parlamente in Oslo und Den Haag finden sich Gesetzespläne, deren Umsetzung das Straßenbild beider Länder radikal verändern könnte. Die Pläne sehen vor, dass ab 2025 nur noch emissionsfreie Autos und leichte Nutzfahrzeuge neu zugelassen werden dürfen. Selbst Hybridfahrzeuge wären davon betroffen, es sei denn, sie werden mit nicht-fossilen Brennstoffen versorgt. Das Zeitalter der Elektromobilität rückt in greifbare Nähe.

Wirkliches Erstaunen können die Ankündigungen jedoch nicht hervorrufen. Norwegen gilt seit Jahren als Mekka der Elektromobilität. Es gibt massive Steuervergünstigungen für Elektroautos. Auch kostenloses Parken oder die Nutzung von Busspuren sind nette Randerscheinungen für Besitzer von Elektroautos. Ein ähnliches Bild ergibt sich in den Niederlanden. Der bisherige Elektroboom ist allerdings teuer erkauft. Jährlich gehen dem Fiskus Millionen an Einnahmen verloren. Auch die Nutzung von Busspuren durch Elektroautos führt regelmäßig zu erheblichen Beeinträchtigungen im Busverkehr. Nicht selten zeigt sich mit Blick auf die Verkaufsstatistiken, dass ein Elektroauto zudem auch mal ein dickes Hybrid-SUV sein darf, dessen Umweltbilanz mehr als fraglich ist. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor daher direkt zu verbieten liegt auf der Hand. 

Es gibt jedoch ein Land mit noch ehrgeizigeren Plänen. In Indien, das bisher nicht gerade durch seinen Pioniergeist im Umweltschutz aufgefallen ist, sollen ab 2030 überhaupt keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr auf den Straßen unterwegs sein. Hundertprozentige Elektromobilität ist die Vision eines Gesetzesentwurfes, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Bestandsschutz für bereits zugelassene Verbrennungsautos, wie es sie ihn in Norwegen und den Niederlanden auch ab 2025 noch existiert, gibt es nicht. Spannend ist auch das Finanzierungsmodell. Kunden sollen Elektroautos zunächst kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Der eigentliche Verkaufspreis wird dann nach und nach über die eingesparten Spritkosten abbezahlt. Bis es soweit ist, muss allerdings noch einiges passieren. Das größte Problem ist Indiens Infrastruktur. Bisher verläuft der Aufbau von Ladesäulen nur schleppend. Das gesamte Land bis 2030 mit einem flächendeckenden Netz an Ladestationen auszubauen ist eine Mammutaufgabe. Selbst in Norwegen und den Niederlanden, in denen der Ausbau schon gut vorangeschritten ist, müssen noch erhebliche Summen investiert werden, um Nutzern die Reichweitenangst zu nehmen – bei einer deutlich niedrigeren Bevölkerungszahl und Landfläche. Das zweite Problem ist die Fahrzeugstruktur. Autos machen nur einen Bruchteil der Fahrzeuge auf den Straßen Neu Delhis, Kalkuttas oder Mumbais aus. Viel problematischer ist die immense Zahl von Motorrädern, Rollern und Tuk Tuks. Sie sind die eigentlichen Umweltsünder. Zwar ist es der Plan, dass Elektroroller und –scooter künftig mit rund 450 EUR bezuschusst werden, doch der tatsächliche Kaufpreis dürfte dann noch immer den Großteil des durchschnittlichen Jahreseinkommens der Menschen verzehren. So kommt man schnell wieder zurück zum Kernproblem der Elektromobilität: den zu hohen Anschaffungskosten und den zu geringen Reichweiten. Die Akzeptanz steht und fällt mit der Batterietechnologie. Kommt es hier in den kommenden Jahren zu Fortschritten – wonach es derzeit glücklicherweise aussieht – dann sind auch keine staatlichen Eingriffe notwendig, und die Elektromobilität wird ein sich selbst tragendes System.    

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