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Finanzen

Digitale Sozialwährung in Barcelona

Barcelona plant eine digitale Sozialwährung einzuführen. Die neue Stadtregierung verspricht sich davon sowohl eine Stärkung der lokalen Wirtschaft als auch mehr soziale Gerechtigkeit.

27.05.2017

Im Zuge der Finanz- und Eurokrise sind in Spanien viele Sozialwährungen als Antwort auf ein als ungerecht empfundenes Wirtschaftssystem entstanden. Diese Komplementärwährungen funktionieren wie normales Geld, nur ist ihre Gültigkeit auf bestimmte Regionen und Partner – etwa lokale Unternehmen, Bars und Geschäfte – beschränkt. 

Auch die Stadtregierung der katalanischen Metropole Barcelona plant, eine "moneda social" (Sozialwährung) einzuführen – gegen den erbitterten Widerstand der spanischen Zentralbank. Damit wollen die linke Bürgermeisterin Ada Colau und ihre Wahlplattform, die aus der Indignados-Bewegung („Die Empörten“) hervorgegangen ist, eines ihrer zentralen Wahlversprechen umsetzen. Die städtische Linksregierung erhofft sich davon Hilfe bei der Schaffung einer „sozialen und solidarischen Ökonomie“ – wobei die Währung nur einen Teil eines umfassenderen Plans darstellt, der auch die Einführung eines lokalen Mindestlohns vorsieht. 2017 soll das Pilotprojekt zuerst in einigen Stadtvierteln getestet und dann schrittweise im gesamten Stadtgebiet eingeführt werden. Um Kosten für das Prägen, Drucken und die Geldausgabe zu vermeiden, ist eine reine Digitalwährung mit festen 1:1-Wechselkurs zum Euro geplant.

Barcelona folgt damit einem übergeordneten Trend, vermehrt Währungsexperimente im kommunalen Rahmen einzugehen. So gibt es in Spanien beispielsweise bereits in Girona die Währung Res, in Sevilla den Puma und in Bilbao den Ekhi. Komplementärwährungen gibt es aber auch in Frankreich, etwa in Lyon und Toulouse, oder auch in Bristol in Großbritannien, wo der Bürgermeister sein Gehalt in der Lokalwährung Bristol Pound bezieht. In Deutschland ist Rosenheim Vorreiter dieser Bewegung – und in den USA ist es San Francisco, wo die „Bay Bucks“ helfen sollen, die lokale Wirtschaft anzukurbeln.

Bislang hatte sich an den fast 100 Sozialwährungen, die es im spanischen Staat schon gibt oder in Vorbereitung sind, niemand gestört. Doch Barcelona ist in doppelter Hinsicht anders: einerseits wegen seiner Größe und andererseits wegen seiner politischen Bedeutung als Hauptstadt der Region Katalonien, die nach Unabhängigkeit vom spanischen Zentralstaat strebt.

Die gesellschaftlichen Versuchsreihen in Barcelona und anderen Städten sind Indikatoren für mehrere zukunftsrelevante Entwicklungen: So ist das Experimentieren mit Währungen ein Indikator dafür, dass das bestehende Währungssystem zunehmend in Frage gestellt wird. Dies geschieht sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene, wo neben Bitcoin und Ethereum viele weitere alternative Währungs- und Transaktionssysteme entstanden sind. Zweitens sind die Lokalwährungen ein weiteres Anzeichen für eine Machtverschiebung von den Nationalstaaten in die Städte, die nationalstaatliche, zentralbankliche Steuerungsinstrumente wie die – oft ungerecht empfundene – Geldpolitik mit ihren Experimenten unterlaufen. Dies entspricht auch der Logik der Dezentralisierung, die hinter der Blockchain-Technologie steht.  

Noch sind diese Experimente aber vor allem Projekte einer Avantgarde: Denn die Zahl der Nutzer ist noch recht überschaubar. Und circa 95 Prozent der spanischen Bevölkerung haben noch nie etwas von alternativen Währungen gehört. Es ist also noch eine Minderheitsbewegung – die aber eingebettet in stärkere Entwicklungstreiber und mithilfe sozialer Medien schnell an disruptiver und transformativer Kraft gewinnen könnte.

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