Menu
Energie

Die Sharing-Economy erreicht den Stromhandel

Der Fritz kauft seinen Solarstrom bei seiner Oma, die Mieter einer Wohnanlage beziehen ihren Strom aus der PV-Anlage über ihren Köpfen. Neue Vermarktungsplattformen für einzelne Stromerzeuger und -abnehmer sind im Entstehen.

17.02.2016

22% der Haushalte in Deutschland beziehen Ökostrom – mit einem Schönheitsfehler: Aus der Steckdose kommt der immergleiche börsengehandelte Graustrom. Den Überschuss-Strom vom Nachbarn mit der PV-Anlage auf dem Dach etwa gibt es derzeit nicht zu kaufen, und ebensowenig den von der Dachfläche des eigenen Mehrparteienhauses. Angesichts der geringen Einspeisevergütung von derzeit nur noch rund zwölf Cent pro Kilowattstunde gibt es gerade für Mehrparteienhäuser kaum Anreize, PV-Anlagen zu installieren: Der Direktverbrauch durch die Wohnungsmieter kann schlichtweg nicht abgerechnet werden, und die reine Einspeisevergütung deckt kaum die Anlagenkosten. Doch es tut sich etwas im Markt. Verschiedene Startups entwickeln derzeit Plattformen für lokale Direktvermarktung und Abrechnung.

Lumenaza beispielsweise bietet eine White-Label-Plattform für Stadtwerke oder Energiegenossenschaften als Software-as-a-Service an. Die ermöglicht es, Strom von Produzenten aus der Region, die auf der Website persönlich vorgestellt werden, zu virtuellen Kraftwerken zu bündeln und lokal zu vermarkten. Der Strom bekommt ein Gesicht. Auch Kellerbatterien oder andere Speicher lassen sich einbinden. Die regionalen Prosumer sollen so zu einer Community zusammenwachsen, mit dem gemeinsamen Ziel, ihren Strom-Autarkiegrad weiter zu erhöhen.

Sunride geht noch einen Schritt weiter. Das Startup will einzelne PV-Anlagenbesitzer zu Mikro-Energieversorgern machen, die den Strom Peer2Peer, also direkt an Verbraucher in der Umgebung vertreiben. Die Sunride-Plattform bietet dafür alle nötigen Services von Systemüberwachung bis hin zu Abrechnung und Buchführung. Überschüssiger Strom aus kleinen PV-Anlagen kann so endlich lokal und direkt vermarktet werden.

Die Energiebranche steht einmal mehr vor grundlegenden Veränderungen. Strom bekommt ein individuelles, lokales Gesicht, was ganz neue Vermarktungsperspektiven eröffnet. Die großen überregionalen Energieversorger stehen damit vor einer großen Herausforderung. Stadtwerke und Energiegenossenschaften könnten profitieren. Und: Stromerzeugung wird Teil der Sharing Economy. So wie UBER und AirBnB auf dem Mobilitäts- und Übernachtungsmarkt etablierte Marktlogiken durch intelligente Geschäftsmodelle außer Kraft gesetzt haben, könnte im Stromvertrieb nun eine ähnliche Entwicklung bevorstehen. Der Wandel der Energielandschaft, ihrer Akteure und Geschäftsmodelle hat gerade erst begonnen.

Weitere News

CHINA

Innovation braucht Freiheit des Denkens

Gefährdet China den eigenen Aufstieg zur Wissensnation?

23.04.2018
Weiter lesen
Science-Fiction-Kolumne

Paradoxien der Künstlichen Intelligenz

Ein Schachturnier der Zukunft und die Angst vor der Künstlichen Intelligenz.

23.04.2018
Weiter lesen
Finanzen

Fake News als Treiber des Kryptowährungsbooms?

Bitcoin als Spielball von Fake-News-Fabrikanten.

23.01.2018
Weiter lesen
Energie

Offshore Wind – von der Hoffnung zum Hype

Offshore-Wind tritt in die Post-Subventions-Phase ein. 

23.01.2018
Weiter lesen
Landwirtschaft

Food Computer für die urbane Landwirtschaft

Auf dem Weg zur smarten urbanen Mikro-Farm.

23.01.2018
Weiter lesen

Wenden Sie sich an Andreas Schaich mit Fragen zu künftigen Entwicklungen im Energiebereich.

Andreas Schaich kontaktieren

Newsletter

News von Z_punkt regelmäßig in Ihrem Postfach. Jetzt abonnieren.

Ok