Immer mehr Arbeit wird laut einer Studie der Deutschen Bank zukünftig in zeitlich befristeten Projekten erledigt, die über klassische Unternehmensgrenzen hinaus reichen und deshalb ein neues Denken erfordern. Angesichts dieser Entwicklung appellierte Z_punkt an die deutsche Wirtschaft, im aktuellen Konjunkturboom wichtige Weichenstellungen nicht zu versäumen.
„Deutschland steht an einem wirtschaftlich- und gesellschaftspolitischen Scheidepunkt“, sagte Stefan Schneider, Leiter Macro Trends des Think Tanks DB Research der Deutschen Bank Gruppe, in seinem Vortrag in der Zollverein-Design-School in Essen. Um in der Projektwirtschaft erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen ihr Selbstverständnis neu definieren. Ein freierer Austausch von Wissen sei ebenso nötig wie die Schaffung neuer rechtlicher Rahmen für derartige Kooperationen. Zudem sollten moderne Unternehmen ihre Kunden als „Projektpartner“ stärker an der Produktentwicklung beteiligen.
Schneider räumte ein, dass auch auf Seiten der Banken ein Wandel stattfinden müsse. Bei der Frage nach der Finanzierung eines zeitlich befristeten Projektes könnten Geldhäuser schließlich nicht auf die Geschäftsbilanzen der letzten fünf Jahre pochen. „Banken müssen vielmehr lernen, Wissensbilanzen zu lesen und zu bewerten“, sagte der DB-Research-Experte. Dazu sei es aber erst einmal nötig, Standards festzulegen, wie sich intellektuelles Kapital messen und bewerten lasse. Schneider schlug vor, hierbei etwa den Werdegang der Projektteilhaber, die Zusammensetzung ihres Beziehungsnetzwerk sowie den guten Ruf ihrer Kooperationspartnern zu berücksichtigen. Auch müssten Banken noch intensiver Technologie-Scouts einsetzen, die Märkte beobachten, um eine Innovation bewerten zu können.
Der Erfolg der Projektwirtschaft liegt insbesondere darin begründet, dass Kooperationen unterschiedlicher Wissensgebiete ermöglicht werden, die in dieser Breite nicht innerhalb eines einzigen Unternehmens zur Verfügung stehen, aber in Zukunft immer wichtiger werden. Da sich in den kommenden Jahren Produktlebenszyklen weiter verkürzen werden, jedoch der Aufwand für Entwicklung und Vermarktung erfolgreicher Produkte rapide zunehmen wird, sieht die DB Research in der Projektkooperation von Spezialisten einen effizienten, weil flexiblen Weg für Unternehmen, den Marktanforderungen der Zukunft gerecht zu werden. Getreu dem Grundsatz: geteilte Kosten, geteiltes Risiko.
Mit seinem Vortrag bestritt Stefan Schneider als Referent den ersten Teil des Abends gemeinsam mit Z_punkt Geschäftsführer Klaus Burmeister, der als Auftakt zur Konferenz "Deutschland neu denken" 15 Thesen für die Wirtschaft von morgen präsentierte. Dabei lud er die rund 50 Gäste für den zweiten Teil des Abends zu "Walk the Talk" ein, einem neuen offenen Diskussionformat. Eingeteilt in einzelne Diskussionsgruppen besprachen, vertieften oder modifizierten die Teilnehmer die von Burmeister vorgestellten Thesen oder sie stellten neue auf. Bei dem anschließenden Rundgang „Walk the Talk“ informierte jede Gruppe in offener und lockerer Atmosphäre an Stellwänden über ihre Ergebnisse und präsentierte anschließend die wesentlichen Punkte vor dem gesamten Publikum.
Für ein Highlight des Abends sorgte außerdem das Improvisationstheater Emscherblut: In Interaktion mit dem Publikum zeigten die Theaterkünstler mit spontaner Comedy, Wortspielereien und Schauspielkunst, wie man sich schnell auf Veränderungen in projektwirtschaftlichen Zusammenhängen einstellt. Mit der Improvisationsshow beleuchtete EMSCHERBLUT das Thema des Abends aus künstlerisch-kreativer Perspektive und zeigte, wie man sich spontan und flexibel auf wechselnde Zusammenhänge einstellt - die Kernkompetenz in der Projektwirtschaft.